Aspirin unter der Lupe: Was es wirklich bewirkt
Einleitung: Eine kleine Tablette mit großer Geschichte

Aspirin – kaum ein Medikament ist weltweit so bekannt und verbreitet. Für viele Menschen gehört die kleine weiße Tablette längst zur Hausapotheke. Kopfschmerzen? Aspirin. Fieber? Aspirin. Aber in den letzten Jahren hat die Wissenschaft dem bewährten Mittel genauer auf den Zahn gefühlt. Dabei zeigt sich: Aspirin ist kein Wundermittel – aber in bestimmten Fällen medizinisch interessant. Was wirklich dran ist an neuen Forschungsergebnissen, wo Risiken liegen und was Sie im Alltag beachten sollten, lesen Sie hier.
1. Was ist Aspirin eigentlich?
Aspirin ist der Markenname für den Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS). Er gehört zur Gruppe der sogenannten nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR). Die Wirkung basiert auf der Hemmung eines Enzyms namens Cyclooxygenase (COX), das an der Entstehung von Schmerz, Fieber und Entzündungen beteiligt ist.
Hauptwirkungen von Aspirin:
- Schmerzlindernd (analgetisch)
- Fiebersenkend (antipyretisch)
- Entzündungshemmend (antiphlogistisch)
- Blutverdünnend (thrombozytenaggregationshemmend)
2. Die klassische Anwendung: Schmerz, Fieber, Entzündung
Im Alltag wird Aspirin vor allem zur Linderung leichter bis mäßiger Schmerzen eingesetzt – von Kopf- über Zahn- bis Gliederschmerzen. Auch bei Fieber oder Erkältungssymptomen greifen viele zur Tablette. Die Wirkung tritt meist innerhalb von 30 Minuten ein und hält mehrere Stunden an.
Wichtig:
Bei Kindern unter 12 Jahren sollte Aspirin nicht verwendet werden – hier droht das seltene, aber gefährliche Reye-Syndrom. Für sie sind Paracetamol oder Ibuprofen besser geeignet.
3. Aspirin als Herz-Kreislauf-Schutz – aber mit Einschränkungen
Lange galt Aspirin als „Wundermittel“ zur Vorbeugung von Herzinfarkt und Schlaganfall. Der Grund: Die blutverdünnende Wirkung verhindert, dass sich Blutplättchen verklumpen – und so ein gefährliches Blutgerinnsel entsteht.
Aber: Neue Studien zeigen, dass diese vorbeugende Wirkung nur bei bestimmten Gruppen tatsächlich nützlich ist – etwa bei Menschen mit bereits erlittenem Herzinfarkt oder hohem Risiko. Für gesunde Personen ohne Vorerkrankungen überwiegen in vielen Fällen die Nebenwirkungen, etwa Magenblutungen.
Fazit: Kein Aspirin zur Selbstmedikation bei Herzinfarkt-Vorbeugung. Nur unter ärztlicher Aufsicht!
4. Neue Studien: Aspirin und Krebs – ein viel diskutiertes Thema
Immer wieder tauchen Schlagzeilen auf wie: „Aspirin senkt Krebsrisiko“ oder „Aspirin gegen Metastasen“. Tatsächlich zeigen einige Studien, dass eine langfristige Einnahme von ASS mit einem etwas geringeren Risiko für bestimmte Krebsarten (z. B. Darmkrebs) einhergeht.
Doch Vorsicht:
Diese Ergebnisse sind statistisch – sie bedeuten nicht, dass Aspirin ein Heilmittel ist. Viele Faktoren spielen mit rein, darunter Lebensstil, Ernährung und Genetik. Außerdem ist unklar, ob der Nutzen das Risiko für Nebenwirkungen übersteigt.
Die Deutsche Krebsgesellschaft und andere Fachverbände warnen davor, Aspirin auf eigene Faust als Krebsschutz einzunehmen.
5. Nebenwirkungen: Kein Medikament ohne Risiko
Trotz der weit verbreiteten Anwendung ist Aspirin kein harmloses Mittel. Folgende Nebenwirkungen sind möglich:
- Magenbeschwerden und -blutungen
- Reizungen oder Geschwüre im Magen-Darm-Trakt
- Blutungen (z. B. bei Verletzungen)
- Allergische Reaktionen
- Nierenbelastung bei Daueranwendung
Bei bestimmten Erkrankungen – etwa Asthma, Magengeschwüren oder Blutgerinnungsstörungen – ist besondere Vorsicht geboten.
6. Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
ASS kann mit vielen Medikamenten interagieren, darunter:
- Blutverdünner wie Warfarin
- Kortisonpräparate
- Antidepressiva
- Entzündungshemmer wie Ibuprofen
Deshalb gilt: Wenn Sie regelmäßig Medikamente einnehmen oder chronisch krank sind – sprechen Sie mit Ihrem Arzt, bevor Sie Aspirin nutzen.
7. Wann ist Aspirin sinnvoll – und wann nicht?
Sinnvoll:
- Bei akuten Schmerzen oder Fieber
- Nach ärztlicher Anordnung zur Sekundärprävention (z. B. nach einem Herzinfarkt)
- In Absprache mit dem Arzt bei familiärer Darmkrebsvorgeschichte
Nicht sinnvoll:
- Als tägliche Vorsorgemaßnahme ohne Risiko oder Diagnose
- Bei empfindlichem Magen oder bekannten Blutgerinnungsstörungen
- Bei Kindern und Jugendlichen mit Fieber
8. Was sagt die aktuelle Forschung?
Forschungsprojekte laufen weltweit – von Krebsprävention über Alzheimer bis Long-COVID. Aspirin ist dabei oft Teil klinischer Studien, aber: Bisher gibt es keine belastbaren Empfehlungen für eine neue Indikation.
Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und viele internationale Gesundheitsbehörden raten: Nutzen Sie Aspirin so gezielt und kurz wie möglich – und nur bei medizinischer Notwendigkeit.
9. Alternativen zu Aspirin: Was gibt es noch?
Wer empfindlich auf Aspirin reagiert oder auf Nebenwirkungen verzichten möchte, kann folgende Alternativen in Betracht ziehen:
- Paracetamol: Gut verträglich, allerdings nicht entzündungshemmend
- Ibuprofen: Entzündungshemmend, aber auch magenreizend
- Naturheilmittel: Weidenrinde enthält ähnliche Wirkstoffe wie ASS, wirkt aber langsamer
- Nicht-medikamentöse Ansätze: z. B. Bewegung, Meditation, Wärme/Kälte-Therapie
Fazit: Kein Wundermittel, aber ein wichtiges Medikament – bei richtiger Anwendung
Aspirin ist ein bewährtes Arzneimittel – aber kein Alleskönner. Wer es korrekt und gezielt einsetzt, kann von der Wirkung profitieren. Doch Eigenmedikation, vor allem bei vermeintlicher Prävention, ist riskant. Gerade bei Herz-Kreislauf- oder Krebs-Themen gilt: ärztliche Beratung ist Pflicht.
Interne Links
- Natürliche Alternativen zu Schmerzmitteln
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Externe Links
Bundesinstitut für Arzneimittel: Acetylsalicylsäure im Fokus
Deutsche Krebsgesellschaft: Aspirin und Krebs – aktuelle Einschätzung
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